Archive for Juli, 2011

Die besten Familien

31.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein

Manchmal sind es nicht nur Brüder, die boxen. In manchen Familien hat das Kämpfen Tradition. Väter, Großväter, Onkel, Cousins – sie alle stiegen schon in den Ring. Gerade führt der neue britische Meister im Schwergewicht, Tyson Fury, die Familientradition der harten Schläge fort. Seine Vorfahren langten ordentlich hin, wenn auch nicht immer im Boxring. Tysons Vater John war der erste Profiboxer der Furys, die zuvor auf Jahrmärkten mit bloßen Fäusten ihren Lebensunterhalt verdienten. Er stieg einst gegen den späteren Welt- und Europameister Henry Akinwande in den Ring. Weil aber auch Gypsy John nicht immer nur im Ring hinlangte, konnte er beim bislang größten Erfolg seines Sohnes am vergangenen Wochenende nicht dabei sein: er sitzt derzeit eine elfjährige Haftstrafe ab. Andere Familien ließen ihre Fäuste öfter und erfolgreicher im Ring fliegen. Der Journalist Michael Rosenthal hat im Buch „The Ultimate Book of Boxing Lists“ von Bert Sugar und Teddy Atlas seine Top Ten zusammengestellt.

10. Magramo (Ric, Ronnie, Melvin und Ric jr.) – Kampfrekord zusammen: 142 Siege, 0 Niederlagen, 12 Unentschieden.

9. Chavez (Julio Cesar, Roberto, Omar und Julio Cesar jr.) – Kampfrekord zusammen: 190 Siege, 11 Niederlagen, 4 Unentschieden.

8. Hilton (Dave, Matthew, Alex, Stewart, Dave jr.) – Kampfrekord zusammen: 184 Siege, 11 Niederlagen, 4 Unentschieden.

7. Penalosa (Carl, Dodie Boy, Gerry, Jonathan und Dodie Boy jr.) – Kampfrekord zusammen: 111 Siege, 31 Niederlagen, 11 Unentschieden.

6. Quarry (Jerry, Mike und Bobby) - Kampfrekord zusammen: 124 Siege, 34 Niederlagen, 12 Unentschieden.

5. Fullmer (Gene, Don und Jay) – Kampfrekord zusammen: 129 Siege, 31 Niederlagen, 10 Unentschieden.

4. Zivic (Fritzie, Jack, Pete und Eddie) - Kampfrekord zusammen: 277 Siege, 167 Niederlagen, 30 Unentschieden.

3. Yarosz (Teddy, Tommy, Joey und Eddie) – Kampfrekord zusammen: 202 Siege, 31 Niederlagen, 5 Unentschieden.

2. Mayweather (Floyd, Roger, Jeff, Justin Jones und Floyd jr.) – Kampfrekord zusammen: 169 Siege, 29 Niederlagen, 7 Unentschieden.

1. Spinks (Michael, Leon, Cory, Darrell und Tommy) – Kampfrekord zusammen: 111 Siege, 28 Niederlagen, 4 Unentschieden.

Die besten Brüder

30.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein

Wladimir und Vitali Klitschko dominieren derzeit das Schwergewichtsboxen. Die Brüder aus der Ukraine teilen die vier Weltmeistertitel in der Königsklasse unter sich auf. Ein bemerkenswerter, noch nie dagewesener Erfolg. Aber die Klitschkos sind beileibe nicht das erste Brüderpaar, das Boxgeschichte geschrieben hat. Steve Farhood, Boxexperte des amerikanischen Bezahlsenders Showtime, hat im Buch „The Ultimate Book of Boxing Lists“ der Boxlegenden Bert Sugar und Teddy Atlas seine Top Ten der boxenden Brüder zusammengestellt. Und seine Begründungen gleich mitgeliefert.

10. Marv, Steve und Al Albert: „Marv hat Kämpfe für NBC kommentiert, Steve für Showtime und Al für USA Network. Braucht es noch mehr? Mein Schwiegervater war Steves Golflehrer an der High School.“

9. Donald und Bruce Curry: „Mitte der 80er Jahre war Weltergewichtler Donald der beste Boxer der Welt. Bruce war ein harter Puncher, der für kurze Zeit den Weltmeistertitel im Superleichtgewicht hielt.“

8. Orlando und Gabe Canizales: „Beide waren Weltmeister im Bantamgewicht, Hall-of-Famer Orlando viel länger.“

7. Abe und Monte Attell: „Federgewichts-Legende Abe ist am besten bekannt für seine Rolle im Manipulationsskandal in der World Series im Baseball im Jahr 1919. Monte war kurze Zeit Weltmeister im Bantamgewicht.“

6. Terry und Orlin Norris: „Superwelter-Champ Terry hat Sugar Ray Leonard besiegt. Orlin war ein unterschätzter Cruisergewichtler und ein Top-Ten-Schwergewicht.“

5. Wladimir und Vitali Klitschko: „Sie sind beide die Nummer eins im Schwergewicht. Das ist mehr als genug, um hier zu stehen.“

4. Khaosai und Kaokor Galaxy: „Die einzigen Zwillinge, die Weltmeistertitel gewinnen konnten. Khaosai war der größte Super-Fliegengewichtler aller Zeiten. (Falls sich jemand wundert, sie wurden nach Nachtklubs benannt).“

3. Tommy und Mike Gibbons: „Tommy verlor gegen Schwergewichts-Champion Jack Dempsey, aber besiegte Harry Greb und Georges Carpentier. Mittelgewichtler Mike war genauso gut.“

2. Leon und Michael Spinks: „Leon schockte Ali und Michael war einer der besten Halbschwergewichtler überhaupt. Beide wurden Olympiasieger und Schwergewichts-Weltmeister.“

1. Juan Manuel und Rafael Marquez: „Fantastische Erfolge: Champions in mehreren Gewichtsklassen, Pound-for-Pound-Boxer, zukünftige Hall-of-Famer.“

Mike Tyson steigt wieder in den Ring

29.07.2011  |  Veröffentlicht in Videos

Mike Tyson steigt wieder in den Ring. Der Neu-Schauspieler und Neu-Veganer will es allerdings nicht mehr mit ernsthaften Gegnern aufnehmen, sondern nur noch mit einem Fan. Wer bis Ende August beim iPhone-Spiel „Mike Tyson Main Event“, für das der einst meistgefürchtete Boxer der Welt Namenspate stand, die höchste Punktzahl erzielt hat, darf mit Tyson trainieren. Ein Flug nach Las Vegas und eine Lehrstunde vom jüngsten Schwergewichtsweltmeister der Boxhistorie winken dem Sieger. „Dieser Fan sollte besser auf alles vorbereitet sein“, sagte Tyson. „Mike Tyson Main Event“ wurde bislang mehr als 1,6 Millionen Mal heruntergeladen und wird nach Herstellerangaben mehr als eine Million Minuten pro Tag weltweit gespielt – was auch immer das bedeuten mag.

Mike Tyson wird es egal sein, er braucht, das gibt er unumwunden zu, den Scheck, der ihm für die Namensgebung ins Haus flatterte. Tyson scheint, nachdem er im Anschluss an seine Boxkarriere zunächst seine körperliche Mitte neu gefunden hatte, indem er kräftig zulegte, nun seine mentale gefunden zu haben. Er ist wieder rank und schlank, nimmt nach eigenen Angaben seit mehr als zwei Jahren keine Drogen mehr, hat neue Fans gewonnen, die ihn nur als Schauspieler aus den Hangover-Filmen kennen und nicht mehr als Boxer und wirkt entspannt wie nie. Nicht nur, aber auch, bei Jimmy Kimmel auf der Couch.

Heute vor zehn Jahren

28.07.2011  |  Veröffentlicht in Videos

Damals trug er noch Haar: Als Glen Johnson am Abend des 28. Juli 2001 in Berlin in den Ring stieg, hätte man gewarnt sein können. Weniger wegen seiner Frisur, sondern vielmehr weil der Amerikaner aus Jamaika im Kampf zuvor den Engländer Toks Owoh in London k.o. geschlagen hatte. Und weil er schon zwei Jahre vorher dem deutschen Weltmeister Sven Ottke in Düsseldorf das Leben schwer gemacht hatte. Die Verantwortlichen des Hamburger Universum-Stalls hatten aber an jenem verhängnisvollen Abend wohl weniger Johnson unterschätzt, als vielmehr zu viel Zutrauen in ihren Boxer. Thomas Ulrich, der Beau aus Berlin, versprach schließlich eine goldene Zukunft. Ein Sieg über Schlachtross Johnson sollte ihn ganz in die Nähe eines Kampfes um die WM-Krone bringen. Es kam bekanntlich ganz anders.

Während Ulrich längst am Ende seines Daseins im Boxring angelangt ist, ist Johnsons märchenhafter Aufstieg noch nicht vorbei. Der ehemalige Weltmeister und Bezwinger der Größen Roy Jones jr. und Antonio Tarver konnte gerade erst im Juni nur durch ein schmeichelhaftes Urteil für den Engländer Carl Froch vom Einzug in das Finale des Super-Six-Turniers im Supermittelgewicht abgehalten werden. Nicht schlecht für einen 42-Jährigen früheren Bauarbeiter, den man schon an einem Juliabend vor zehn Jahren als Verlierer eingekauft hatte – eigentlich.

Hopkins: Statt Calzaghe eben Haye

27.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein

Er kann es lassen: Joe Calzaghe hat abermals erklärt, nicht mehr in den Ring steigen zu wollen. Weder gegen seinen alten Rivalen Bernard Hopkins, den er am vergangenen Samstag in Las Vegas traf, noch gegen seinen Landsmann Carl Froch, der am 29. Oktober im Finale des Super-Six-Turniers auf den Amerikaner Andre Ward trifft und beständig nach einem britischen Showdown mit Calzaghe ruft.

„Ich werde nie mehr zurückkommen“, sagte der mittlerweile 39 Jahre alte Calzaghe, der vor drei Jahren ungeschlagen abtrat, am Samstag im Rahmen der Titelverteidigung des Engländers Amir Khan. „Wenn ich noch einmal boxen würde, dann nur für das Geld. Und ich habe gesagt, dass ich das nie tun werde.“ In seinem vorletzten Kampf hatte der Waliser den Amerikaner Hopkins 2008 in Las Vegas knapp nach Punkten besiegt. „Ich weiß, dass ich gewonnen habe“, sagt dagegen Hopkins, der im Mai im Alter von 46 Jahren zum ältesten Weltmeister der Boxgeschichte aufstieg. Er bot Calzaghe an, für einen Rückkampf nach Cardiff zu kommen.

Hopkins hat nun zwar seinen 17 Jahre jüngeren Landsmann Chad Dawson vor Augen, gegen den er den WBC-Titel im Halbschwergewicht am 15. Oktober verteidigen will, aber jemand anderen im Sinn. Auch einen Briten, aber einen schweren Jungen: David Haye. Der mutlose Auftritt des Schwergewichtlers gegen Wladimir Klitschko vor rund drei Wochen hat Hopkins ermutigt, es mal mit den schweren Jungs aufzunehmen. „Ich würde schon morgen gegen Haye kämpfen“, sagte Hopkins. „Ich war geschockt von seinem Auftritt. Du kannst nicht zwei oder drei Jahre lang derart die Klappe aufreißen wie Haye und dann nichts abliefern.“ Im Klappe-Aufreißen kennt sich Hopkins schließlich bestens aus. Aber, im Gegensatz zu Haye, im Abliefern eben auch.

Copyright Joe Calzaghe

Die Rose von Soweto – gewichtige Argumente

26.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein

Bernard Hopkins ist kein guter Kronzeuge. Aber ausgerechnet auf ihn beruft sich Dingaan Thobela. Der frühere Weltmeister aus Südafrika möchte nichts anderes, als im kommenden Monat noch einmal in den Ring steigen. Mit 45 Jahren sei er schließlich noch ein Jahr jünger als der Amerikaner Hopkins, der im Mai zum ältesten Weltmeister der Boxgeschichte aufstieg. Thobela hatte bereits die Erlaubnis des südafrikanischen Boxverbandes, am 29. August in seiner Heimatstadt Johannesburg gegen seinen Landsmann Basil Ray kämpfen zu dürfen. Nun nahm der Verband die Erlaubnis wieder zurück und Thobela versteht die Welt nicht mehr. Wenn Hopkins boxen darf, warum ich nicht?, fragt er.

Thobela hat seit 2006 nicht mehr im Ring gestanden, sein letzter Sieg liegt fast elf Jahre zurück. Am 1. September 2000 nahm Thobela, von seinen Fans als „Rose von Soweto“ verehrt, dem Briten Glenn Catley den WBC-Titel im Supermittelgewicht ab. Catley hatte zuvor den deutschen Weltmeister Markus Beyer ausgeknockt. Seinen Abschiedskampf hatte der sichtlich übergewichtige Thobela, der seine besten Zeiten als Weltmeister im Leichtgewicht bei einem Körpergewicht von 61 Kilogramm hatte, mit rund 82 Kilogramm bestritten. Und nun hat er noch einmal draufgepackt: gegen Ray wollte er sein Comeback und gleichzeitig sein Debüt im Schwergewicht geben. Thobela ist also, im Wortsinne, beileibe kein Hopkins, der stets in Form blieb und in den vergangenen Jahren lediglich sieben Kilogramm zulegte bei seinem Aufstieg vom Mittel- ins Halbschwergewicht.

Thobela hätte also wenige Argumente auf seiner Seite, wenn sich der südafrikanische Boxverband „Boxing South Africa“ (BSA) nicht angestellt hätte, wie ein Boxer, der mehr als einen Kampf zu viel hat. Denn die ursprüngliche Kampferlaubnis Thobelas wurde mit der Begründung zurückgenommen, in Südafrika würden Boxer, die älter als 35 Jahre sind und länger als zwölf Monate inaktiv waren, grundsätzlich nicht mehr lizenziert. Aber warum durfte dann Thobelas Landsmann Francois Botha im Juli 2007 nach fast fünf Jahren Pause in Temba im Alter von 38 Jahren gegen den Australier Bob Mirovic kämpfen? Und warum eigentlich der 40 Jahre alte Thobela im Oktober 2006 nach fast zwei Jahren Pause gegen Botes? Und warum wussten zunächst nicht einmal die Verantwortlichen des Boxverbandes, ob es diese Lizenzierungsauflagen überhaupt irgendwo in schriftlicher Form zum Nachlesen gibt? „Diese Leute sind inkompetent und richten einen großen Schaden an unserem tollen Sport an“, sagte Thobela.

Der Verband wollte sich erklären und berief in der vergangenen Woche eine Pressekonferenz ein. Thobela sollte anwesend sein, das wurde Medienvertretern in der Einladung angekündigt. Leider vergaß man, davon auch Thobela zu informieren. Der Vorsitzende Peter Ngatane erklärte zunächst, dass schon Thobelas Kampf gegen Botes 2006 „illegal“ gewesen sei. Da der Verband nach Angaben von Ngatane keine eigenen Regeln habe, gelten die, die der Sportminister vor zehn Jahren im „SA Boxing Act“ aufgestellt habe. Immerhin entschuldigte sich der Vorsitzende beim früheren Weltmeister. „Er ist einer der größten Boxer, wie wir je gehabt haben und es ist schade, dass wir ihn nicht mit dem nötigen Respekt behandeln“, sagte Ngatane. „Er ist ein angesehener Boxer, aber das verhindert leider nicht, dass er die Auflagen nicht erfüllt. Dingaan Thobela sieht das genauso.“ Es gibt nur einen Haken: Von seiner Einsicht weiß der Boxer nichts.

Neulich in Mexico-City, Part III

25.07.2011  |  Veröffentlicht in Neulich in...

Der Meister der psychologischen Kriegsführung hatte sich für den Rückkampf etwas ganz Besonderes ausgedacht. Sieben Monate nach dem Verlust seines Weltmeistertitels im Schwergewicht wollte Muhammad Ali zum Rückkampf mit seinem Bezwinger Leon Spinks 1978 nur mit einem speziellen Paar Handschuhe antreten. Mit Boxhandschuhen der mexikanischen Marke „Reyes“. Alis Botschaft war klar: Reyes ist das Modell für Knockouter, weil es die Kraft der Schläge nicht dämpft und schneller zu Platzwunden führt. Als Ali tatsächlich mit Reyes-Handschuhen in New Orleans zum Kampf erschien, sorgte er für einen Eklat. Vertreter der amerikanischen Handschuhfirma Everlast, die den Kampf sponserte, stürmten den Ring und klebten das Logo ab. Noch vor dem ersten Gong ließ Ali das Klebeband von seinen Betreuern wieder entfernen.

„Wir wissen bis heute nicht, woher er die Handschuhe hatte. Aber er hat in ihnen geboxt – und gewonnen“, sagt Alberto Reyes, Geschäftsführer der mexikanischen Handschuhmarke. Die Handschuhe, in denen Ali sich den WM-Titel zurückholte, hatte Alberto Reyes eigenhändig hergestellt. 1978 produzierte er zusammen mit seiner Frau Leticia und seinem Vater Cleto noch in ihrem kleinen Haus in Mexiko-Stadt. Während Ali als größter Boxer aller Zeiten in die Geschichte einging, stieg Reyes zur weltweit bekanntesten Marke für Boxhandschuhe auf. „Wir sind die Nummer eins“, sagt Alberto Reyes, der heute in zwei Fabriken 70 Mitarbeiter beschäftigt. 2009 wurde in rund 80 Prozent der Kämpfe um die Weltmeisterschaft mit Handschuhen der Marke Reyes gekämpft und in rund der Hälfte aller Profikämpfe weltweit.

Dabei bezahlen die Mexikaner im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern die Boxer nicht dafür, dass sie in ihren Handschuhen boxen. Im Gegenteil: die Kämpfer müssen die Handschuhe kaufen, für mehr als 100 Dollar pro Paar. „Wir haben noch nie einen Boxer bezahlt“, sagt Tochter Elizabeth Reyes, die für den Verkauf verantwortlich ist. Superstars wie Manny Pacquiao von den Philippinen, derzeit der beste Boxer der Welt, lassen sich vor ihren Kämpfen vertraglich festschreiben, in Reyes boxen zu dürfen. Er folgt damit prominenten Vorbildern, fast alle legendären Boxer schlugen schon mit den Handschuhen aus Mexiko zu: Mike Tyson, George Foreman, Oscar De La Hoya, Roberto Duran, Evander Holyfield, Marvin Hagler, Roy Jones.

Mit einem geliehenen Paar Boxhandschuhe war Cleto Reyes 1938 im Alter von 18 Jahren in den Ring gestiegen. Nach seinem ersten und letzten Kampf musste er sich nicht nur zwei Wochen von seinen Verletzungen erholen, sondern auch die geborgten Handschuhe reparieren. Weil er das so fachmännisch tat, er arbeitete in einer Fabrik für Baseballhandschuhe, forderten ihn die Manager mexikanischer Boxer auf, nach ihren Vorstellungen Handschuhe herzustellen. Sie wollten die Fäustlinge nicht mehr länger aus den Vereinigten Staaten importieren. Nach Feierabend nähte Cleto Reyes in seiner Wohnung die Boxhandschuhe, die 1945 zum ersten Mal in einem Weltmeisterschaftskampf benutzt wurden. Die mexikanischen Boxer, die traditionell zu den besten der Welt gehören, nahmen die Reyes-Handschuhe mit zu ihren Titelkämpfen in New York, London, Tokio. „So kamen die Handschuhe in die für den Boxsport berühmtesten Plätze der Welt“, sagt Alberto Reyes. Wegen eines besonders zähen Leders und einer harten Füllung aus Rosshaar und Schaumstoff verstärken die Handschuhe die Schlagkraft. „Softe Produkte sorgen für innere Verletzungen, von denen man nichts mitbekommt. Das ist gefährlich. Harte dagegen machen die Schäden sichtbar. Man sieht das Blut und die Frakturen“, sagt Alberto Reyes.

1954 hatte Cleto Reyes genügend Kunden, um seinen Job in der Fabrik aufzugeben. „Mein Vater begann in einem Markt, der eigentlich nicht existierte. Er kam der Nachfrage überhaupt nicht mehr nach“, sagt Alberto Reyes, der 1970 in das Geschäft einstieg. Weil der Vater, zu diesem Zeitpunkt einziger Verdiener der achtköpfigen Familie, erkrankt war, musste Alberto sein Ingenieursstudium aufgeben. Seine drei Brüder und zwei Schwestern studierten weiter. „Sie hatten keine Lust. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass sich aus einem kleinen Zimmer so ein großes Unternehmen entwickelt.“ 1983 hörte Cleto Reyes, der mittlerweile posthum in die Hall of Fame des Boxsports gewählt wurde, auf zu arbeiten. Bis zum Tod seiner Frau 1990 führten Alberto und Leticia das Unternehmen, 1996 dann stiegen die Töchter Magdalena und Elizabeth sowie Sohn Alberto jr. ein. „Dann wurde es leicht für mich, endlich konnte ich mich um Lobbyarbeit kümmern“, sagt Alberto Reyes. Er wurde Schatzmeister des mexikanischen Boxverbandes, Delegierter des Weltverbandes WBC mit Sitz in Mexiko-Stadt und Vorsitzender der Stiftung für ehemalige Boxer. Reyes stieg zu einer weltweiten Marke auf, die heute in 75 Ländern registriert ist.

„Wir wachsen jedes Jahr ein bisschen“, sagt Elizabeth Reyes. Dem Unternehmen komme zugute, dass Boxen seit fünf Jahren nicht mehr als Sport für die Unterschicht angesehen werde. „Viele unserer Kunden trainieren in luxuriösen Sportstudios. Das ist unser neuer Markt.“ Das wichtigste aber bleiben die internationalen Stars als Botschafter der Marke. „Die Helden sind das entscheidende“, sagt Alberto Reyes. Auf den Philippinen verkauften die Mexikaner kaum Handschuhe, ehe Volksheld Pacquiao in den Arenen von Las Vegas und New York mit Reyes zuschlug. „Mittlerweile ist das ein starker Markt für uns“, sagt Reyes, der noch heute ausschließlich Box- und nicht wie viele Wettbewerber auch Fitnessprodukte herstellt und vertreibt. „Diese Konzentration macht uns stark.“ Ein Handschuh für das Training hält jahrelang, ein Handschuh für den Wettkampf muss 15 Runden überdauern – bei einer erlaubten maximalen Kampfdauer von 12 Runden. „Bis jetzt ist noch keiner unserer Handschuhe während des Kampfes kaputt gegangen“, sagt Alberto Reyes.

„Hecho en Mexico“ prangt auf jedem Reyes-Handschuh – „Made in Mexico“. Wettbewerber bieten mittlerweile Handschuhe „Modell Mexiko“ an. Für Alberto Reyes ist sein Heimatland, das ihn 1995 mit dem Exportpreis auszeichnete, jedoch nicht nur ein Wettbewerbsvorteil. „Als Unternehmer hat man es nicht leicht in Mexiko. In den Vereinigten Staaten wäre es für mich sicher einfacher gewesen.“ So habe er früher keine Kredite bekommen. „Ich habe das Unternehmen alleine finanziert.“ Natürlich mit prominenter Unterstützung von Muhammad Ali, Mike Tyson, Manny Pacquiao und all den anderen Legenden dieses Sports.

Rule, Britannia!

24.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein, Videos

Zwei Kämpfe, zwei britische Sieger. Keine schlechte Bilanz! Na gut, ganz so schwer war es nicht. Konnte es beim Duell Amir Khan gegen Zab Judah zwar einen amerikanischen Sieger geben (den es aber nicht gab), im Kampf um den britischen Schwergewichtstitel allerdings, logisch, nur einen britischen Sieger. In Herausforderer Tyson Fury gewann Samstagnacht in London der richtige, nicht nur weil Fury nach zwölf Runden mit einem fairen Punkturteil von 118-111, 117-112, 117-112 (wir hatten es 118-111) zum einstimmigen Sieger erklärt wurde, sondern auch weil die Schwächen des Titelverteidigers schon jetzt aufflogen und nicht erst in einem Kampf um die Weltmeisterkrone. Den biederen Dereck Chisora hatte sich Weltmeister Wladimir Klitschko schon zweimal als leichtes Opfer auserkoren, beide Male fielen die Kämpfe kurz vorher aus.

Fury zeigte nun, wie leicht Haudrauf Chisora auszuboxen ist. Lediglich in der zweiten Runde musste er, angeschlagen nach einem linken Haken und einer Rechten, eine Schrecksekunde überstehen. Letztlich brachte Fury einen ungefährdeten Punktsieg locker über die Runden. „Es wird noch mehr kommen von Tyson Fury“, sagte der Sieger hinterher. „Ich bin bereit, jeden auf der Welt zu boxen.“

Nun also wird König Wladimir mit Tyson Fury Vorlieb nehmen müssen – und das ist gut so. Fury überragt den Weltmeister bei einer Körpergröße von 2,06 Metern sogar um mehrere Zentimeter, er kann hart hinlangen und ist ein origineller Typ. Gut zu vermarkten, gut zu verkaufen und das ist, wie wir wissen, den boxenden Brüdern aus der Ukraine manchmal wichtiger als die Boxkünste ihrer Gegner. Die sind auch bei Fury limitiert, deshalb wird der neue britische und Commonwealth-Champion, das weiß er selbst, Klitschko keine schlaflosen Nächte bereiten. Unsere Prognose: Der Kampf kommt.

Furys Landsmann Amir Khan nahm wenige Stunden später in Las Vegas dem Amerikaner Zab Judah den IBF-Weltmeistertitel im Superleichtgewicht ab. Nach einem rechten Haken zum Körper sank Judah in der fünften Runde auf die Knie und ließ sich von Ringrichter Vic Drakulich auszählen. Judah reklamierte einen Tiefschlag, die Wiederholungen im Fernsehen zeigten einen Treffer auf den Hosenbund. Nach seinem Sieg ist Khan nun auch bei der WBA zum Superchampion aufgestiegen und der Weltverband mit den immer abstruseren Ideen zum Gelddrucken kann nun am 27. August den regulären Weltmeistertitel, was auch immer das eigentlich ist, ausboxen lassen. In San Jose treffen der Argentinier Marcos Rene Maidana und der Amerikaner Robert Guerrero im Duell um den vakanten Titel aufeinander. Unsere kühne Prognose: Es wird dieses eine Mal keinen britischen Sieger geben!

One „0“ must go!

23.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein, Videos

Wer darf Wladimir Klitschko herausfordern? Der Brite Dereck Chisora stand schon zweimal kurz vor einem Kampf um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht gegen Wladimir Klitschko, beide Male platzten die Duelle. Nun muss er zunächst gegen seinen Landsmann Tyson Fury antreten, dann will sich Wladimir den Sieger vorknöpfen. Chisora und Fury sind jeweils in 14 Profikämpfen unbesiegt. „One ‚O‘ must go!“ heißt daher das Motto heute abend in der Wembley-Arena von London.

Der 27 Jahre alte Chisora verteidigt seine beiden Titel, den britischen und den des Commonwealth, und geht nach den Quoten der britischen Buchmacher als Favorit in das Duell mit dem vier Jahre jüngeren Fury. Aber Vorsicht ist geboten: Und das keineswegs, weil Vater Fury seinen Sohn einst nach Mike Tyson benannte. Nein, Tyson Fury ist viel stärker familiär vorbelastet: sein Vater war nicht nur ein gefürchteter „Bare-Knuckle-Fighter“, sondern auch Profiboxer. Die boxerische Blutlinie der Roma-Familie Fury reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück.

Deshalb unser Tipp: Fury gewinnt. Unser zweiter Tipp: Gegen Wladimir Klitschko haben nicht einmal beide zusammen den Hauch einer Chance.

Boxing’s Wonderboy

22.07.2011  |  Veröffentlicht in Allgemein

Patrick Daley taucht in keinen ewigen Ranglisten auf, in keiner Statistik der Meistergürtel. Schließlich hat er in 120 Kämpfen als Profiboxer keinen einzigen Titel errungen. Und dennoch hat er unter dem Namen Nipper Pat Daly ein bemerkenswertes Kapitel Boxhistorie geschrieben. Alex Daley hat die Geschichte seines Großvaters aufgeschrieben, bevor sie verschwindet. Das unlängst in Großbritannien erschienene Buch „Nipper – The amazing story of Boxing’s Wonderboy“ erzählt die Geschichte des wohl jüngsten Profiboxers aller Zeiten. Im Alter von neun Jahren war Daly 1923 das erste Mal zu einem Profikampf in den Ring gestiegen, acht Jahre lang kämpfte und besiegte er Erwachsene, Landesmeister aus ganz Europa, zählte zu den besten Bantamgewichtlern der Welt und stand kurz vor einem Kampf um die Weltmeisterschaft. Bis er im Alter von 17 Jahren abtreten musste.

In den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gab es rund 6000 Profiboxer in Großbritannien, rund zehnmal so viele wie heute. Jede Stadt und jeder Stadtteil hatte seine Helden, Arbeiter aus den Kohleminen oder den Industrieanlagen, die nebenbei abends in den Ring stiegen. Nipper Pat Daly trainierte im Londoner Stadtteil Marylebone im Gym des Trainers und Managers Andrew Newton, der, obwohl der frühere Amateurmeister und Profiboxer kaum lesen und schreiben konnte, Professor genannt wurde. Der Wissenschaftler des Faustkampfs hatte in Daly sofort den Jungen entdeckt, den er immer gesucht hatte: einen späteren Weltmeister. Schließlich trugen zu diesem Zeitpunkt in sieben der damals noch acht Gewichtsklassen Amerikaner die WM-Krone, und der Waliser Jimmy Wilde sollte noch im Jahr von Dalys Profidebüt seinen Titel im Fliegengewicht an den Filipino Pancho Villa verlieren. Die Suche nach einem neuen Boxhelden aus dem Vereinigten Königreich lief. In Daly, waren sich die Experten sicher, hatten sie ihn gefunden. Mit neun Jahren, bei einem Körpergewicht von 35 Kilogramm und für die Börse von 25 Pence, besiegte er seinen ersten Gegner, mit 14 verließ er die Schule und konnte sich ganz auf den Boxsport konzentrieren.

Zu Dalys Pech formierte sich 1929 der erste Profiboxverband Großbritanniens, das bis zu diesem Tage bestehende British Boxing Board of Control. Es untersagte Titelkämpfe für Boxer unter 21 Jahren. Weil Daly nicht um einen britischen Titel kämpfen konnte, nahm er sich eben die Meister vom Kontinent vor. 1928 boxte der 15 Jahre alte Engländer in der Dortmunder Westfalenhalle den deutschen Fliegengewichts-Meister Ludwig Minow spielerisch über zehn Runden aus. Das begeisterte deutsche Publikum trug den Knaben auf Schultern zurück in die Kabine, und dazu spielte, zehn Jahre nach dem Ersten und elf Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, eine Kapelle „Rule, Britannia“. So berichtete es damals das britische Fachblatt „Boxing“. 1930 besiegte Daly in Köln den Düsseldorfer Willi Metzner durch Disqualifikation, im Berliner Sportpalast schlug er den deutschen Meister und früheren Amateur-Europameister Karl Schulze k.o. Das Berliner Tageblatt feierte Daly als „Wunderknaben“. Zuvor hatte schon der italienische Champion Giovanni Sili seinen Meister in dem Jungen gefunden. Als sie sich in London vor dem ersten Gong gegenüberstanden, wollte Sili seine Handschuhe wieder ausziehen mit der Begründung, er verprügele keine Kinder. Entnervt war er bereits im Ring erschienen, schließlich lagen die Kabinen der beiden Boxer direkt nebeneinander und in Dalys Kabine hatte ein 14 Jahre alter Trainingskamerad auf seiner Violine pausenlos „O sole mio“ gespielt. Die psychologische Kriegsführung wirkte, Sili verlor deutlich nach Punkten.

1930 schien Dalys Zeit gekommen. Das amerikanische Fachblatt „The Ring“ führte den 16 Jahre alten Briten auf Platz zehn seiner Rangliste im Bantamgewicht – offizielle Weltranglisten gab es nicht. Auf Platz eins im Schwergewicht der Ring-Rangliste stand zu diesem Zeitpunkt ein gewisser Max Schmeling. Der Amerikaner Christopher Battaglia, bekannt als Battling Battalino, Weltmeister im Federgewicht, machte Daly ein Angebot, in Amerika um den Titel zu kämpfen. Die New York State Athletic Commission, die damals die WM-Titel vergab, untersagte Minderjährigen zwar Kämpfe, die auf mehr als sechs Runden angesetzt waren. Battalino hatte jedoch einen Bundesstaat gefunden, der bereit war, einen WM-Kampf über sechs Runden zu sanktionieren. „Wann packen wir, Professor?“, soll Daly gefragt haben. Die ernüchternde Antwort: „Es tut mir leid, Sohn, aber wir gehen nicht nach Amerika. Und ich will kein Wort mehr darüber verlieren.“ Newton hatte wohl Angst – weniger vor einer Niederlage seines Boxers gegen Battalino als vor den amerikanischen Managern. Newton fürchtete, seinen Boxer an einen Konkurrenten zu verlieren, war sein mit dem Minderjährigen geschlossener Vertrag doch vor Gericht wertlos. Der Amerikaner Jack Kearns, einst Manager der Weltmeister Jack Dempsey und Mickey Walker, der zusammen mit Promoter Tex Rickard den ersten Millionen-Dollar-Kampf vor 91.000 Zuschauern zwischen Dempsey und Georges Carpentier veranstaltet hatte, hatte schließlich schon drei Jahre zuvor versucht, Daly nach Amerika zu locken.

Weltmeister Carpentier war es auch, der Daly gewarnt hatte: „Jeder Boxer sollte nach einem Platz unter den Besten der Welt streben, aber Versessenheit und Ungeduld sind eine große Gefahr.“ Tatsächlich machte Daly zu viel Gewicht. Den wachsenden Körper im Bantamgewichtslimit zu halten, kostete ihn zu viel Kraft. So folgte dem Höhepunkt rasch der Abstieg. Gleich mehrmals ging Daly, demotiviert nach der verpassten WM-Chance, völlig entkräftet in den letzten Runden k.o – obwohl er nach Punkten in Führung lag. Als er im Juni 1930, noch gezeichnet von einer im Kampf zuvor erlittenen Gehirnerschütterung abermals durch K.o. verlor, trat er ab. Vier Monate später kehrte er zurück, machte acht weitere Kämpfe, von denen er sieben gewann – ehe er 1931 nach 99 Siegen, elf Niederlagen, acht Unentschieden und zwei Kämpfen ohne Wertung endgültig aus dem Ring stieg. Anschließend trainierte Daly, der 1988 im Alter von 75 Jahren starb, in seinem Gym in London Boxtalente – immer auf der Suche nach dem späteren Weltmeister. Den er nie finden sollte.

Nipper Pat Dalys Kampfrekord in der BoxRec-Datenbank
Alex Daleys Website zum Buch